Marie Andott: Herbstkatze

Marie Andott Herbstkatze
Das Mädchen werden Sie auf dem Cover wiederfinden.

Der Frauenzimmerverlag geht neue Wege.

 

Zum ersten Mal werde ich das Manuskript einer anderen Autorin verlegen. Normalerweise bin ich zu sehr mit meinen eigenen Texten beschäftigt, aber das Buch von Marie Andott hat mich sofort überzeugt.

Sie hat etwas zu sagen, diese Frau, die in den fünfziger und sechziger Jahren in einem kleinen Dorf irgendwo in Deutschland aufwuchs.

Ihre Sprache ist klar, unaufgeregt und gerade dadurch unmittelbar ansprechend.

 

Eines Nachts im Herbst entdeckt die längst erwachsene Marie am Waldrand gerade geborene, verwilderte Katzen.

Sie gehören niemandem, sind ganz auf sich gestellt, Aug in Aug mit dem Marder und dem Fuchs. Diese Begegnung erinnert sie intensiv an ihre Kindheit – als Herbstkatze.

An dieser Kindheit lässt sie nun zum ersten Mal LeserInnen teilhaben.

 

„Da hast du aber eine richtige Herbstkatze“, sagte eines Tages ein Mann zu ihrem Vater.

Diese Worte treffen sehr tief. Marie weiß, was Herbstkatzen sind. Die Bauern werfen sie tot oder ersäufen sie, weil sie kränklich sind, schwächer und struppiger. Man sagt, sie sind die Milch nicht wert, die man ihnen gibt.

Keinen Begriff verinnerlicht die kleine Marie so sehr für sich, wie den der Herbstkatze.

Durch die ganze Kindheit hindurch begleitet er sie.

Marie kommt nach dem Krieg in ärmlichsten Verhältnissen im kleinen Haus ihrer Oma zur Welt. Die junge Mutter ist mit dem Kind, der Armut und dem jähzornigen Ehemann völlig überfordert. Sie beginnt sehr früh, sich auf Marie zu stützen.

Sie wird Hilfskraft und Dienstmagd ihrer Eltern und bemerkt, dass ihr dadurch eine Art Daseinsberechtigung zugestanden wird. Die jüngeren Geschwister übernehmen dieses Muster der Eltern gegenüber Marie. Gefahren, große Belastungen und Überanstrengungen sind die täglichen Begleiter. Ein debiler Onkel ist von Anbeginn eine der größten Gefahren. Er überschreitet Grenzen bei Marie. Es beginnt bereits in einem Alter, in dem das Kind nicht einmal aussprechen kann, was ihm geschieht…

Was Marie berichtet, hat sie längst verarbeitet. Mit niemandem rechnet sie ab. Gerade dadurch wird klar, wie bescheiden und zugleich wahrhaftig es ist, was sie zu sagen hat. Direkt und offen lässt sie erstmals Menschen teilhaben an ihrer ersten Lebensphase, wohl wissend, dass es ja viele „Herbstkatzen“ gibt, dass viele Menschen ähnliche und noch härtere Erfahrungen gemacht haben.

 

Mit zunehmendem Bewusstsein wird Marie klar, wie kleinste Erfahrungen, Krümel, Staubkörnchen von Liebe und Herzensfreundlichkeit doch ausreichen können, um zu überleben, um zu erfahren, dass eine Herbstkatze stark wird und erkennen kann, dass sie vom Leben selbst gewollt ist. So ermutigt sie, dieses Leben nicht zu beschädigen oder gar wegzuwerfen, wie hart und lieblos es auch daherkommen mag.

Dieses Buch ist heilsam. Es hilft, zu leben und das Allerbeste zu machen aus den Staubkörnchen von Liebe und Herzenskraft.

 

Ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass Frau Andott mir ihren Text anvertraut hat.

Erscheinen soll das Buch Anfang Oktober – wenn Herbstkatzen geboren werden.

 

Das Cover macht Juliane Schneeweiss

Frauenzimmer Verlag, Ringweg 19, 35321 Laubach - Lauter, USt-ID-Nr.: DE214981935

Gestaltung der Seite: Anja Zimmer; Fotos: Frank Glabian, Hans-Dieter Haas, Markus Lappe und Anja Zimmer

Aktualisiert am: 19.05.2017