Frauenzimmer heute!


Im "Frauenzimmer heute!" findest du Themen des 20. Jahrhunderts, die auch bis ins 21. Jahrhundert reichen. 

 

Mit Maf Räderscheidt konnte der Verlag eine großartige Künstlerin an Land ziehen, die mit ihrem schonungslosen, teils autobiographischen Roman "Die Nichtschwimmerin" nicht nur die patriarchalen Strukturen der Kunstszene aufdeckt, sondern auch zeigt, wie gefährlich narzisstisch gestörte Menschen sind. Denn sie schrecken vor nichts zurück. 

Ein bildgewaltiger Roman, der bis zur letzten Seite fesselt.

 

Marie Andott ist eine weitere Autorin, für die der Frauenzimmer Verlag überaus dankbar ist. Mit ihrem autobiographischen Buch "Die Herbstkatze" berichtet sie von ihrer schwierigen Kindheit in kleinen Verhältnissen und davon, wie sie überlebte in einer eisigen Familie. Ein buch, das hilft, zu überleben.

 


Maf Räderscheidt

Geboren 1952 in Augsburg, Malerin, Graphikerin, Performancekünstlerin und bekennende Nichtschwimmerin, lebt und arbeitet in Schleiden in der Eifel. Ihre Ausbildung an den Kölner Werkkunstschulen schloss sie als Meisterschülerin ab. Frühen Erfolgen als Radiererin folgten Werkgruppen in Malerei, Installation, Zeichnung und Aquarell. Seit mehr als zehn Jahren veröffentlicht sie täglich ein Bild im Internet. Bei der verheerenden Flut im Juli 2021 verlor sie den größten Teil ihres künstlerischen Lebenswerkes.

Im alten Färberhaus sitzt die Kupferstecherin und zeichnet die Geschichte ihres Lebens. Schon bei den ersten Skizzen beginnt sich die Tusche, die aus der Feder fließt, in Blut zu verwandeln, denn ihre Geschichte ist hart und erbarmungslos.

Als junge Frau kommt sie in die Kunstszene, das Haifischbecken für Gewinner und Gnadenlose, doch sie kann nicht schwimmen. Und während sie noch die Spuren ihres Lebens mit der Zeichenfeder verfolgt, treten die alten Feinde wieder in ihr Leben ein, und das Wasser wäscht alles Blut aus der Kunst.

 

In dem beschaulichen Eifelstädtchen sitzt eine Künstlerin in dem Erker des historischen Hauses mit Blick über die Rur und zeichnet in ihr großes Skizzenbuch. Aber schon bei der ersten Seite, auf der sie ihr Leben in Bildern zu erzählen beginnt, entfließt der Zeichenfeder die unheimliche Geschichte ihrer Vergangenheit. Im Haifischbecken der Kunstszene versuchte sich die Frau zu etablieren, allen Widrigkeiten zum Trotz, die die Gesellschaft und ihr Geschlecht einer Karriere in den Weg stellen. Auch wenn sie nicht schwimmen konnte, kämpfte sie, den Kopf über Wasser zu halten. Erste Erfolgen wechselten mit Gewalt und Niederlagen. Noch rief niemand „Me Too“, wenn eine Frau geschlagen wurde.

Als sie sich zu wehren beginnt, gelingt es ihr, festen Stand in ihrem Leben zu gewinnen. Jetzt wird sie sich den Gewässern, auch denen des Unbewussten, stellen. Aber wie gelingt es einer Kupferstecherin, die ein Leben lang versuchte, ihren Mann zu stehen und doch keiner war, ihren Weg unbehelligt durch die Fluten von Hass und Missgunst zu finden?

 

ISBN 987-3937013-64-0

Softcover, 240 Seiten, 13,- €

 



Eine Rezension aus der Zeitschrift: Mathilde

Marie wuchs in einer patriarchalischen Kleinfamilie auf, im ländlichen Bereich in den 1950er-Jahren. Die Familie erweist sich als Zelle der Gewalt mit einem Vater, der sich in der Dorfgemeinschaft beweisen muss, der den selbst erfahrenen Druck als Gewalt an die Familie abgibt. Die Ehefrau muss ihm zu Diensten sein, die Kinder müssen gehorchen, sonst droht ihnen die Prügelstrafe. Marie ist das schwächste Glied, als Älteste von vier Geschwistern bekommt sie alles ab, was sie wie einen Fluch empfindet. Warum hört ihr niemand zu und glaubt ihr niemand, als ein Onkel das Kind brutal sexuell belästigt?

Die ständig vorhandene Angst des Kindes ist beim Lesen förmlich zu spüren, vor dem Vater, dem Onkel und auch der strengen Lehrerin. Warum glauben ihr nicht einmal die Frauen der Familie? Die Mutter ist überfordert, wird selbst vom Ehemann sexuell genötigt, nächtliche Szenen, die Marie aus dem Nebenzimmer miterlebt. Dass Frauen und Mädchen viel Druck und Gewalt schicksalsergeben ertragen müssen, hat die Mutter ihr früh vermittelt.

Die wenigen Personen, die sie stärken, sterben zu früh, geben ihr aber die Kraft zu überleben. Sie saugt jede kleine Liebesgabe auf, um den Glauben an sich selbst zu sichern. Als junge Erwachsene schafft sie es, ein Drama zu verhindern, als der Vater die Mutter und die jüngeren Geschwister umzubringen droht. In dieser Situation zu Hilfe gerufen, wird Marie stark und setzt dem Vater endlich Grenzen. Durch ihr beherztes Eingreifen verhindert sie so ein Familiendrama.

Das vorliegende Buch hilft zu verstehen, wie familiäre Gewalt funktioniert, die nicht selten zu Todesdrohungen oder gar zum Mord führt.ngpa

Marie Andott: Herbstkatze. Eine Erzählung. Frauenzimmer Verlag Laubach 2017. ISBN 978-3-937013-43-5, € 14,95 

 

 Quellenangabe: MATHILDE, März/April 2018 (152)

Eines Nachts im Herbst entdeckt die längst erwachsene Marie am Waldrand gerade geborene, verwilderte Katzen.

Sie gehören niemandem, sind ganz auf sich gestellt, Aug in Aug mit dem Marder und dem Fuchs. Diese Begegnung erinnert sie intensiv an ihre Kindheit – als Herbstkatze.

An dieser Kindheit lässt sie nun zum ersten Mal LeserInnen teilhaben.

 

„Da hast du aber eine richtige Herbstkatze“, sagte eines Tages ein Mann zu ihrem Vater.

Diese Worte treffen sehr tief. Marie weiß, was Herbstkatzen sind. Die Bauern werfen sie tot oder ersäufen sie, weil sie kränklich sind, schwächer und struppiger. Man sagt, sie sind die Milch nicht wert, die man ihnen gibt.

Keinen Begriff verinnerlicht die kleine Marie so sehr für sich, wie den der Herbstkatze.

Durch die ganze Kindheit hindurch begleitet er sie.

Marie kommt nach dem Krieg in ärmlichsten Verhältnissen im kleinen Haus ihrer Oma zur Welt. Die junge Mutter ist mit dem Kind, der Armut und dem jähzornigen Ehemann völlig überfordert. Sie beginnt sehr früh, sich auf Marie zu stützen.

Sie wird Hilfskraft und Dienstmagd ihrer Eltern und bemerkt, dass ihr dadurch eine Art Daseinsberechtigung zugestanden wird. Die jüngeren Geschwister übernehmen dieses Muster der Eltern gegenüber Marie. Gefahren, große Belastungen und Überanstrengungen sind die täglichen Begleiter. Ein debiler Onkel ist von Anbeginn eine der größten Gefahren. Er überschreitet Grenzen bei Marie. Es beginnt bereits in einem Alter, in dem das Kind nicht einmal aussprechen kann, was ihm geschieht…

Was Marie berichtet, hat sie längst verarbeitet. Mit niemandem rechnet sie ab. Gerade dadurch wird klar, wie bescheiden und zugleich wahrhaftig es ist, was sie zu sagen hat. Direkt und offen lässt sie erstmals Menschen teilhaben an ihrer ersten Lebensphase, wohl wissend, dass es ja viele „Herbstkatzen“ gibt, dass viele Menschen ähnliche und noch härtere Erfahrungen gemacht haben.

 

Mit zunehmendem Bewusstsein wird Marie klar, wie kleinste Erfahrungen, Krümel, Staubkörnchen von Liebe und Herzensfreundlichkeit doch ausreichen können, um zu überleben, um zu erfahren, dass eine Herbstkatze stark wird und erkennen kann, dass sie vom Leben selbst gewollt ist. So ermutigt sie, dieses Leben nicht zu beschädigen oder gar wegzuwerfen, wie hart und lieblos es auch daherkommen mag.

Dieses Buch ist heilsam. Es hilft, zu leben und das Allerbeste zu machen aus den Staubkörnchen von Liebe und Herzenskraft.

 

Ich bin froh und stolz, dass Frau Andott mir ihren Text anvertraut hat.

 

ISBN 978-3-937013-43-5, € 14,95 

 


Frauenzimmer Verlag, Ringweg 19, 35321 Laubach - Lauter, USt-ID-Nr.: DE214981935

Gestaltung der Seite: Anja Zimmer

Fotos: Frank Glabian, Hans-Dieter Haas, Markus Lappe und Anja Zimmer

Aktualisiert am 27.09.2022